Im Kinderzimmer, wo die Zeit stillsteht

Im Kinderzimmer, wo die Zeit stillsteht

Heute ist aus meinem Baby ein kleiner Junge geworden. Die Veränderung hat schon eine Weile gedauert, auch wenn mir das noch nicht so ganz bewusst war. Seine Bewegungen verändern sich langsam. Ein Unterschied in seiner Haltung, seinem Gesicht, seinem Gang. Ich habe es nicht gesehen, obwohl ich es in jeder Sekunde gesehen habe. So ist das doch immer, nicht wahr?

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Ich habe mein Baby heute vor seinem Mittagsschlaf gestillt, und als wir fertig waren (und jetzt sind wir fast endgültig fertig), hatte es sich verändert. Als ich in meinen Armen schlief, war es klar. An die Stelle meines Babys trat ein kleiner Junge: Wirres, jungenhaftes Haar, lange Gliedmaßen, ein schlanker Körper, der den pummeligen Körper ersetzte, an den ich mich gewöhnt hatte.

Das ließ sich nicht leugnen.

Und so hielt ich ihn heute länger als sonst. Ich hielt ihn wie den kleinen Jungen, der er jetzt ist: kopflastig auf meiner Schulter, sein Gewicht war beträchtlich. Ich ließ ihn lange Zeit auf meiner Schulter schlafen, wohlwissend, dass er mein bleiben würde, solange ich dort saß und ihn hielt und das schwere Gewicht seines kleinen Jungenkörpers spürte. Ich konnte die Zeit anhalten, indem ich ihn einfach festhielt, indem ich ganz still an dieser Stelle saß. Und wenn ich ihn hinlegte, was ich irgendwann tun müsste, wäre das Einfrieren der Zeit nicht mehr möglich. Und einfach so wird er wachsen und wachsen und wachsen, bis er erwachsen ist.

Das lässt sich nicht leugnen.

Genieße es, solange sie klein sind. Jeder sagt es. Sie wachsen so schnell. Und dieser Satz scheint gleichzeitig so völlig wahr und so völlig falsch zu sein, weil im Alltag überhaupt nichts schnell zu sein scheint. Eine Mahlzeit kann eine Ewigkeit dauern. Eine schlaflose Nacht im Leben. Und doch sagen es alle:

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Sie wachsen so schnell.

Und deshalb möchte ich ihn heute noch etwas länger in meinen Armen halten, denn mein Baby ist schon weg. An seiner Stelle ist bereits ein kleiner Junge. Und eines Tages, nicht allzu weit in der Zukunft, wird ein älterer Junge an seiner Stelle sein, dann ein Teenager und dann ein junger Mann. Und so halte ich ihn weiterhin fest: schwer auf meiner Schulter, sein Gewicht ist beträchtlich, in seinem Kinderzimmer, wo die Zeit stillsteht.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich am 4. Januar 2016 veröffentlicht